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Sportkegeln - Eine Sportart, die's in sich hat


Viele Menschen denken meist, wenn sie "Kegeln" hören, an eine gesellige Gruppe älterer Herren, die gemütlich bei einem Bierchen sitzt und hin und wieder eine Kugel auf eine Bahn wirft, in der Hoffnung viele Hölzchen umzuwerfen. Bei Hobbykeglern ist dies auch tatsächlich der Fall.

 

Was ist beim Sportkegeln anders?

Hier sollte das Bier erst nach dem Spiel getrunken werden, denn der gesamte Körper sowie dieQuelle: R.L.C. Gerr - kegeln&bowling Konzentration wird beim Sportkegeln ca. 45 Minuten pro Spiel aufs Höchste belastet. Für 30 Wurf hat der Spieler gerade mal 12 Minuten Zeit. Läuft die Zeit ab, ist das Spiel auf der jeweiligen Bahn zu Ende. Doch bis man überhaupt an einem Ligenspiel teilnimmt, ist das Training die Vorraussetzung. Der korrekte Anwurf bedarf viel Training, da viele Faktoren beachtet werden müssen.

 

Die Schrittfolgen und der Armpendel müssen zeitlich genau aufeinander abgestimmt sein und immer dieselbe Wegstrecke in einer bestimmten Zeitspanne zurücklegen. Quelle: R.L.C. Gerr - kegeln&bowlingHieraus ergibt sich dann ein dynamischer Bewegungsfluss mit der Komponente der Beschleunigung. Dieser immer gleich präzise Bewegungsablauf wird bei jedem Schub wiederholt. Und dies 120 mal hintereinander, was für einen trainierten Kegler jedoch das geringste Problem darstellt.

 

Gespielt wird i.d.R. auf 4-Bahnanlagen, die übersichtlich und nebeneinander liegen sollten. Beim Sportkegeln besteht eine Mannschaft zwischen 4 und 6 Spielern, je nach dem in welcher Klasse die Mannschaft spielt. Gespielt wird in 2-3 Blocks. DabeiQuelle: R.L.C. Gerr - kegeln&bowling besetzen 2 Gastgeber die zweite und vierte Bahn. 2 Gegner dann die erste und dritte Bahn. Nach ein par Probewurf beginnt für die 4 Sportkegler das Spiel. Pro Bahn werden jeweils 30 Wurf absolviert. 15 in die Vollen und 15 beim Räumen, wobei auch die Einschlaggasse (links oder rechts) auf jeder Bahn vorgeschrieben ist. Beim Räumen wird solange auf ein Bild gespielt bis alle Holz weg sind oder nur noch der König alleine steht. Danach werden wieder alle 9 Kegel aufgestellt. Nach 30 Wurf wechseln dann die Spieler auf die Bahn zur ihrer Rechten. Hat jeder Spieler dann alle 4 Bahnen durchlaufen und 120 Wurf absolviert, kommt dann der nächste Block. Zum Schluss werden die Spielerergebnisse addiert. Die Mannschaft mit der meisten Holzzahl hat dann gewonnen und erhält dementsprechend Punkte, die für die weitere Wertung in der Liga relevant sind.

 

Die Ursprünge des Sportkegelns!

Kegeln (chegil, bossen, Kegelwerfen) zählt zu den beliebtesten Wettkampf- und Gesellschaftsspielen. Schon im alten Ägypten war das "Rollen mit dem Stein" bekannt. Teile eines Kegelspiels fand man bei Ausgrabungen in einem Kindergrab. Auch in anderen Grabstätten sind Kegelszenen, auf Wandreliefs abgebildet, gefunden worden. Aus Überlieferungen ist bekannt, dass selbst die Germanen beim "Stein-Ziel-Werfen" auf drei, sieben oder neun Kegelknochen wetteiferten. Dabei sollten einerseits die stets allgegenwärtigen Dämonen vertrieben und die körperliche Ertüchtigung gepflegt werden.
In Europa lässt sich das Kegeln bis in die Mitte des 12.Jahrhunderts zurückverfolgen. "Nur diente es damals einem völlig anderen Zweck. Es liegt in der Natur der Sache, daß es leicht ausartet und niedere Instinkte weckt" so ein Geschichtsforscher. Die erste Erwähnung des Kegeln wurde in der Chronik der Stadt Rothenburg gefunden. Ein junger Mann aus gutem Haus, der große SummenQuelle: Archiv des Schweizer Sportmuseum verloren hatte, wurde 1157 von seinem Onkel zu folgendem Gelöbnis gezwungen : "...zehn Jahre lang kein Spiel, sei es Würfeln oder Kegeln oder andere Spiele, womit man seinen Mitmenschen Verluste beibringt". Bei Nichteinhaltung drohte ihm der Verweis aus der Stadt und der Einzug seines gesamten Vermögens. Der Missbrauch des Kegelns wurde auch durch ein Gedicht des Rektors Hugo von Trimberg Mitte des 13.Jahrhunderts belegt, in welchem er gegen das Kegeln zu Felde zog. Auch dem Braunschweiger Stadtrecht von 1232 kann man entnehmen, "dass derjenige ein schlechter Mensch sei, der Vagabunden und Kegelspieler mehr als eine Nacht bei sich aufnimmt".


1265 erwähnt eine Handschrift aus Xanten die sogenannten "fratres kegelorum" (Brüder des Kegelns), eine Gilde, zu deren Beitritt die Aufnahmegebühr in Form von Naturalien entrichtet werden musste. Die Spielregeln waren zu dieser Zeit fast völlig offen. Anfangs wurde eine Kugel nur auf einen Quelle: unbekannt Gegenstand geworfen oder gerollt. Später waren es dann 11 Gegenstände, die bereits den heutigen Kegeln ähnelten. Es fehlte auf keinem Jahrmarkt, keinem Kirchweihfest und keiner Hochzeit. Es diente der Belustigung von jung und alt, arm und reich. Bei soviel Eifer traten die sportlichen Ziele immer mehr in den Hintergrund und es wurde letztlich um Gut und Geld gespielt, so dass im Verlauf der Geschichte von Stadt- und Gemeindeverwaltungen des öfteren Verbote gegen das Wettkegeln "einer kleineren Anzahl notorischer Spieler und Betrüger" ausgesprochen wurden, denn es ging derb, ja zuweilen sogar gewalttätig beim Kegeln zu. Durch den gewaltigen Durst der Kegelbrüder kam es nicht selten zu Raufereien und sogar Messerstechereien waren an der Tagesordnung. In England zum Beispiel ordnete 1388 König Richard II. per Erlass an, "Fußball und andere Spiele ganz und gar zu unterlassen, als da sind Diskuswerfen, Steinstoßen, Kegeln...". Dennoch blieb das Kegeln vor allem bei Geistlichen, Fürsten und Stadtvätern sehr beliebt und wurde auch bei Volksfesten stets in seiner harmlosen Form weiterbetrieben.
Pikanterweise überdauerte das Kegeln die Zeit der Verbote und fand Eingang in die Gesellschaft durch die geistliche Obrigkeit. In vielen Klöstern verkörperte der Kegel das Böse und so hatte manQuelle: Archiv des Schweizer Sportmuseum wenigstens einen guten Grund, das "Heidenwerfen" (Heidentöten) weiter zu betreiben, zumindest bis zur Zeit der Reformation. 1529 stand in der Reformationsverordnung der Stadt Basel : "kein Kegeln an Sonn- und Feiertagen während des Gottesdienstes und vor 13.00 Uhr". Als das Kegelspiel wieder erlaubt war, wurde zunächst ausschließlich in die Vollen geworfen, wobei nach jedem Wurf neu aufgestellt werden musste. Das war jedoch recht anstrengend für die Kegeljungen und außerdem recht zeitraubend. Als Erleichterung wurde dann das Abräumen erfunden, bei dem erst wieder aufgestellt wurde, bis alle Kegel getroffen waren. Bis ins 18. Jahrhundert wurde ausschließlich im Freien gekegelt. Gesellschaftsfähig wurde das Kegeln erst durch Einführung einer Kegelordnung gegen Ende des 18.Jahrhunderts.


Bowlingcenter Saarbrücken 1786 schrieb der Berliner Arzt und Gelehrte Johann Georg Krünitz in seinem 242 bändigen Lexikon erstmals von "13 Regeln für das Kegelspiel", die unter anderem heute noch Gültigkeit haben, z.B. dass nicht übergetreten werden darf und die Kugel vor einer bestimmten Markierung aufgesetzt werden muss. Schiller und Goethe waren eifrige Anhänger des Kegelns. Eng verwandt mit dem Kegeln ist Bowling. Süddeutsche Einwanderer konnten in den USA nicht auf ihre "Lattenbahn" verzichten und führten das Spiel in Nordamerika ein. AberKegelbahnanlage Dudweiler auch in der neuen Welt gab es Probleme mit dem Kegeln. 1837 verbot in Hartfurt/Connecticut der Staatsgerichtshof "das Spielen auf neun Kegel". Die Begeisterung an diesem Spiel brachte die Kegler dann aber auf die Idee, durch einen 10. Kegel das Verbot zu umgehen. Der Bowlingsport war geboren.


Zu Beginn des 19.Jahrhunderts kam es dann zu ersten Klubgründungen mit regelmäßigem Kegeln. Zuerst war deren Anliegen, die Bedürftigen zu unterstützen, aber schon bald traten die sportlichen Ziele in den Vordergrund.

 

Quellen:
A. Haas - Kegeln nach neuen Regeln
G.Bocsai - Fibel für Kegelfreunde
G.Gromann -Fit mit Kegeln
R.L.C. Gerr -kegeln&bowling

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